Montag, 28. Juli 2014

#3-erster Reiseeintrag

Gemütlich sollten die ersten 2 Tage der Reise werden, da nichts weiter anstand, als das Rad zum Leipziger Hauptbahnhof zu bugsieren, mit dem Zug bis Travemünde zu fahren und dort auf die Fähre zu steigen.

Sollte!
Nicht der Umstand, dass ich erst Freitagabend mit dem Packen begann, oder das frühe Aufstehen am Samstagmorgen brachten mich etwas außer Tritt.
Nein, dank der Deutschen Bahn floss schon am ersten Tag Schweiß und Blut.

Bis Bad Kleinen, dass man (wenn überhaupt) nur durch einen gewissen Herrn Grams und die dubiose Rolle einiger Jungs der GSG-9 kennt, ging alles glatt.
Das Fahrrad hing gewohnt deutsch, vorgebucht und nummeriert, in den dafür vorgesehen Abteil und es schien eine angenehme, wenn auch etwas langweilige Fahrt zu werden.
Leider hielt es die DB aber nicht für notwendig, im Vorfeld über den derzeitig stattfindenden Schienenersatz zwischen Bad Kleinen und Grevesmühlen zu informieren.
Die Schwierigkeit für einen Radfahrer besteht nämlich in der fehlenden Möglichkeit, sein Rad in einem der ersatzweise fahrenden Busse transportieren zu dürfen.
Da half alles Betteln bei den Busfahrern nichts. Die einzige Antwort bestand in einem mitleidigen Schulterzucken und der wenig tröstlichen Aussage, dass ich nicht der erste Radfahrer sei, den man weggeschickt habe.
Da es in Bad Kleinen auch keinen Informationsschalter gibt, tippte ich wild am dort befindlichen Fahrkartenautomaten herum und, Sagengestalt sei Dank, spuckte der Automat tatsächlich eine Zugverbindung zurück nach Schwerin und dann als Umsteigepunkt über einen mir bis Dato unbekannten Ort namens Büchen aus, die mich noch rechtzeitig nach Travemünde bringen würde.

Um diese Informationen zu bekommen war aber erstmal harte Arbeit angesagt.
Um zur Bushaltestelle und wieder zurück zum Bahnsteig zu kommen, muß man nämlich jeweils 3 steile Treppen erklimmen bzw. absteigen, was mit einem vollgepackten Rad kein Spaziergang ist. Dankenswerterweise befanden sich zumindestens an zwei der Treppen Rampen für Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und eben Radfahrer.

Iim Gegensatz zur penibel gepflegten Rasenfläche zwischen den Gleisen, war anscheinend keiner für das an der Rampe im Außenbereich wuchernde Brombeergestrüppe verantwortlich.
Unweigerlich verfing ich mich auf der schmalen Rampe in den Dornen des überhängenden Strauches und zog mir einige nicht unerheblich blutende Kratzer an den Händen und Armen zu.
Immerhin hatte ich jetzt aber wieder einen Plan und wartete ungeduldig auf den Zug.
Der kam auch fast pünktlich, war aber leider (Endziel Hamburg) brechend voll.
In letzter Sekunde quetschte ich mich in den letzten verbleibenden Zugang zwischen einen Rollstuhlfahrer und eine Familie mit 2 kleinen Kindern, sowie Kinderwagen und harrte die Stunde bis zum Umstieg in einer transpirierenden und nicht ganz entspannten Haltung aus.
Im nächsten Zug, Richtung Lübeck, kam zu der Enge noch eine spielerische Variante hinzu.
4 bepackte Fahrräder, ineinander verhakt, zwischen den sich rechts und links befindlichen Türen stehend, mußten bei den wechselnden Aus- und Zustiegen, tetrisspielähnlich, vor und zurück bugsiert werden, was selbst die Passagiere, die einen Sitz in der offen stehenden Toilette gewählt hatten, amüsierte.
Und der Zug hielt oft, da es eine Regionalbahn war.
Eine Stunde später erreichte aber auch dieses Gefährt sein Ziel und ich war endlich in Lübeck.
In beiden Zügen ließen sich übrigens keine Zugbegleiter blicken, da diese wahrscheinlich die Sinnlosigkeit des Unterfangens, sich durch die leicht gereizten, ein Opfer erwartenden Reisenden zu kämpfen, eingesehen hatten. Dies ersparte mir immerhin eine Diskussion über meine eigenmächtige Umbuchung der Strecke.

Die Fahrt nach Travemünde-Skandnavienkai war dann nur noch ein Katzensprung und nach 3km entspannten Radelns stand ich vor dem Check-In der Stena Line.


Beim Warten auf den Bus, der uns vom Check-In zur Fähre bringen sollte, lernte ich noch ein Pärchen aus Hamburg, in den späten "besten Jahren", kennen.
Die beiden waren auch mit dem Rad unterwegs und hatten ähnliche Touren im Baltikum schon des öfteren gemacht.
So verging die Stunde bis zur Abfahrt des Busses beim Fachsimpeln wie im Flug und wir erreichten, etwa einen Kilometer über das Hafengelände gemütlich hinter dem Bus herradelnd, gegen halb 6 Uhr abends die Fähre.

Dort genoss ich ersteinmal auf dem Oberdeck den Blick über den Hafen und die vorbeifahrenden Schiffe, bis unsere Fähre gegen 19 Uhr ablegte.




Auf dem Zwischendeck hatte sich inzwischen eine illustre Schar, der Sprache nach zu urteilen, lettischer, litauischer und russischer Truckerfahrer eingefunden, die Bier und Wodka in sich hinein schütteten, als wenn es kein Morgen geben würde.
Aus diversen Lokalen und Nahkampfdielen war ich ja schon einiges gewohnt. Aber was hier abging war wirklich der Hammer.

Die Nacht verbrachte ich dann, dank der unermüdlich arbeitenden Klimaanlage und meinen nicht vorhandenen Schlafsack (der befindet sich noch in einer der Packtaschen am zur Zeit unzugänglichen Fahrrad), leicht fröstelnd, zusammengekauert in einem Sitz und war dementsprechend zeitig, bei Sonnenaufgang, wieder auf den Beinen.
Wenn ich nebenbei erwähne, dass es morgens 6 Uhr auf dem Deck wärmer als im Schiff war, könnt ihr euch vielleicht vorstellen, wie zuverlässig das cooling System arbeitete.

Immerhin konnte ich so die Zeit bis zum Frühstücksbuffet, das 9 Uhr öffnete, mit dem Schreiben eines Briefes nutzen und diesen Bericht verfassen.


Pünktlich 20 Uhr Ortszeit legte die Fähre in Ventspils an und ich fuhr noch 16 km südlich bis Leci, wo ich in einer einfachen, aber vollkommen ausreichenden Unterkunft übernachtete.








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